Beschreibung

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Die Idee von einem informellen Treffen, einem Ferienlager kombiniert mit Informationsveranstaltungen und der Taufe der neuen DAAD-Stipendiaten, ist während des jährlichen Seminars des DAAD-Alumni-Klubs, das am 22. Mai an der Vytautas Magnus Universität in Kaunas stattfand, entstanden. Genau drei Monate später, d. h. am 22. August, versammelten sich die Klubmitglieder und auch die neuen DAAD-Stipendiaten an einem der schönsten Orte Litauens – Beržoras, das zwischen zwei Seen im Nationalpark Niederlitauens liegt. Nachdem die insgesamt 27 LagerteilnehmerInnen ihre Übernachtungsplätze in gemütlichen Holzhäuschen  gesichert, die Kälte des Seewassers geprüft, sich als Teilnehmer angemeldet und sich mit Butterbroten gestärkt hatten, begann der ernste Teil.

Um 12 Uhr haben die Hauptorganisatoren – Vorsitzender des Klubs, Herr Daumantas Katinas und Doz. Dr. Žavinta Sidabraitė – die TeilnehmerInnen begrüßt und den Ablauf des Treffens erklärt. Ebenfalls hat Doz. Dr. Ž. Sidabraitė als ortskundige etwas über das Städtchen Plateliai und seine Umgebung erzählt und ein Buch vorgestellt, damit alle Interessierten noch mehr darüber lesen könnten. DAAD Lektorin und TestDaF Beauftragte in Litauen Dr. Antje Johanning freute sich in ihrem Grußwort über so eine Veranstaltung und ermutigte die neuen StipendiatInnen das Studium in Deutschland so effektiv wie möglich zu nutzen sowie andere Studierende Litauens aufmuntern, sich bei dem DAAD zu bewerben.

Besonders interessant war der Vortrag von Dr. Vacys Vaivada von der Universität Klaipėda. Er hat die Problematik Kleinlitauens zur Diskussion gestellt, indem er die Geschichte Kleinlitauens erzählte und die zwiespältige Situation von den hier lebenden Menschen schilderte. Ein großes Interesse weckten auch die im Vortrag von Dr. V. Vaivada gezeigten historischen Zeichungen und Fotos. Als ein ernstes Problem, das zur Zeit besonders viele kontroverse Stellungnahmen auslöst,  wurde der Wiederaufbau der evangelischen St. Johannes Kirche hervorgehoben. Seit 1706 bis zum zweiten Weltkrieg stand die höchste Kirche Klaipėdas an der Marktstraße in der Altstadt und war das bedeutendste geistliche Zentrum der Region und ihr 75 m hohe Turm diente als ein wichtiges Navigationsobjekt. Im zweiten Weltkrieg wurde sie durch einen Brand stark zerstört und bald ganz abgerissen. Dr. V. Vaivada stellte den Zuhörern einen Entwurf einer modernen Kirche, dem er aber persönlich nicht zustimmt und plädierte für den Wiederaufbau der alten Kirche, umsomehr, dass es noch genug Zeichnungen und Fotos gibt, die es ermöglichen. Jedoch fehlen für so ein Vorhaben finanzielle Mittel. Nach dem Vortrag wurden an Dr. V. Vaivada viele Fragen gestellt, es entstand noch eine lebendige Diskussion, was von der Aktualität des Themas und von der interessanten Vorstellungsweise zeugte.

Das um 13 Uhr geplante Mittagessen kam aufgrund einer lebhaften Diskussion viel später, der von einigen Enthusiasten gekochte Buchweizenbrei schmeckte allen aber umso besser.

Nach dem Mittagessen war ein freies Programm geplant, doch die meisten haben sich draußen in einer Laube versammelt, um ein Würfelspiel „Litauen“ zu spielen. Die leidenschaftlichen Spieler haben nicht nur viel Spaß dabei gehabt, sondern auch ihre Kenntnisse über das Heimatland erweitert.

Da der neue Leiter der Presse- und Kulturabteilung von der Deutschen Botschaft, Herr Jean-Pierre Froehly, am Treffen nicht teilnehmen konnte, hat er alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch den Vorsitzenden des Klubs, Herrn Daumantas Katinas, begrüßt.

Um 19.30, wie geplant, fand der Vortrag „Praktische Tipps für die neuen Studierenden an den Universitäten Deutschlands“ von Frau Monika Serapinaitė (Vizevorsitzende des DAAD-Alumni-Klubs, zur Zeit Studentin und DAAD-Stipendiatin an der Universität Erlangen-Nürnberg) statt. Die Studentin hat die Unterschiede der deutschen Universitäten von den litauischen betont und auf die Probleme aufmerksam gemacht, auf die die litauischen Studierenden meistens stoßen. Berührt wurden Fragen nicht nur rund ums Studium, sondern auch, was das studentische Leben im Allgemeinen betrifft: Wohnen, Reisen, Freizeit. Die vielen Fragen, die an die Referentin gestellt wurden, und die heftigen Diskussionen und Informationsaustausch unter anderen Teilnehmern bewies, dass so ein Vortrag dringend nötig und wichtig war.

Am Abend hat man in Kleingruppen gegrillt, den Tisch für das Abendessen gedeckt, Boot oder Tretboot gefahren, Ballspiele gespielt und vieles mehr. Nach dem Abendessen hat die neue DAAD-Stipendiatin und Mitglied des Klubs, Frau Salomėja Blažytė, alle noch einmal zum Seminarraum eingeladen, um an einem witzigen, aber sehr schwierigen Quiz teilzunehmen. Die TeilnehmerInnen wurden durch Ziehen von Bonbons in drei Gruppen geteilt und sollten listige Fragen über Litauen und Deutschland beantworten. Das fiel allen sehr schwer, doch eine Gruppe hat endlich gewonnen.

Die Abenteuer, auf die sich manche Teilnehmer am späten Abend noch eingelassen haben, haben die Frühaufsteher erst beim Frühstück erfahren. Es muss wirklich noch was los gewesen sein.

Doch egal, wie spät man ins Bett gegangen war, musste man um kurz vor 9 schon fahrbereit sein, denn um 9 Uhr wartete auf die TeilnehmerInnen die Reiseleiterin Frau Aušra Brazdeikytė. Sie führte die Gruppe zunächst zum See Plateliai, dem größten und saubersten See Niederlitauens. Frau A. Brazdeikytė erzählte die Sage von der Entstehung des Sees, zeigte die 7 Inseln, von denen die Burginsel am bekanntesten ist, weil schon im 15. Jh. hier eine Burg stand. Man erfuhr auch über die Segel- und Tauchmöglichkeiten, über Schwimmwettbewerbe, Feste und Veranstaltungen, die am Plateliai-See organisiert werden.

Im Städtchen Plateliai besichtigte man den Gutshof, in dessen Speicher ein Heimatmuseum eingerichtet ist. Im Museum befinden sich ein paar Ausstellungen von niederlitauischen Künsltern sowie eine umfangreiche Sammlung von Faschingsmasken. Für die Erhaltung und Pflege von Traditionen und Bräuchen wurde das Heimatmuseum sogar vom Tourismusdepartament ausgezeichnet.

Die dritte und wohl spannendste Sehenswürdigkeit des Tages war die Raketenbasis oder anders genannt das Militarismusmuseum in Plokščiai in der Nähe von Plateliai. Hier, mitten im Wald, wurde 1960 mit dem Bau einer unterirdischen Basis für thermonukleare Raketen begonnen. In zwei Jahren ist sie fertig gestellt worden. Der Ort und die Tätigkeit dort waren streng geheim, das Territorium wurde umzaunt und in 6 Sicherheitslinien geteilt, unter anderem Stacheldrahtzaun, Alarmanlage, Hochspannungs-Todeszaun. In die vier 27 Meter tiefen Schächte wurden R-12 thermonukleare Raketen platziert. Nachdem 1978 das sovietische Militär die Basis entgültig verlassen hat, plünderten die Ortsansäßigen die Schächte. Obwohl in den Schächten nicht mehr viel zu sehen gibt, war die Besichtigung und besonders die Erzählungen der Reiseleiterin Frau Aušra Brazdeikytė hochinteressant.

Nach dem Ausflug kamen alle TeilnehmerInnen müde, aber voll von Eindrücken in den Hof zurück. Gemütliches Mittagessen, begleitet durch heftige Diskussionen,Kontaktenaustausch,  litauische und deutsche Witze, Ideen und Wünsche für das Treffen im nächsten Sommer, Ballspiele, Botts- und Tretbootsfahrten und allerlei andere Aktivitäten rundeten den ersten DAAD-Ferienlager ab. Wir hoffen, dass es eine Tradition wird.


Doz. Dr. Danguolė Satkauskaitė
Dozentin an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Vilnius